Grundschule und Kindertagesstätte Theresienhöhe, München, 1. Preis

» … Das Haus ist zunächst ein Objekt für die Geometrie. Man ist versucht, es rational zu analysieren. Seine erste Wirklichkeit ist sichtbar und greifbar. Es ist aus genau zugeschnittenen festen Körpern gemacht … Die gerade Linie ist vorherrschend … ein solches geokretisches Objekt sollte eigentlich den Metaphern widerstreben, die den unterschiedlichen Körper, die menschliche Seele aufnehmen. Aber die Umsetzung ins Menschliche vollzieht sich unwillkürlich, sobald man das Haus als einen Raum des Trostes und der Intimität nimmt, als einen Raum der die Innerlichkeit verdichten und verteidigen soll. Dann eröffnet sich, außerhalb aller Rationalität, das Feld des Traumgeschehens …«

— Gaston Bachelard: Poetik des Raumes, 1987

 

Die neue Schule auf der Theresienhöhe wird bewußt als städtische Schule mit urbaner Raumbildung begriffen: Plätze und Höfe. Sie schließt als öffentlicher Bau die von Südwesten kommende Randbebauung ab und öffnet sich mit einer großzügigen Stadtloggia, die Schülern und Bürgern als witterungsgeschütztes Quartiers-Forum dient. Die daran anschließenden Freiflächen nehmen die Sportbereiche der Schule auf. Sie verbinden sich mit der Grüninsel an der Ganghofer Straße zu einem signifikanten Grünbereich, der den Übergang in den Westpark städtebaulich schlüssig formuliert.
Die zweigeschossige Kindertagesstätte liegt im ruhigen Nordostbereich und orientiert sich nach Südwesten zum im Innenhof gelegenen Freibereich hin. Die Schule ist ebenfalls zweigeschossig. Im Erdgeschoss befinden sich Tagesheim und Fachklassen, im Obergeschoss die Normalklassen sowie die Verwaltung. Das Konzept der differenzierten Raumbildung mit seinen bewußt gewählten Variationen von Raumproportion und Raumhöhe soll stimulierend auf die Erlebniswelt der Kinder im Lern- und Erlebnisbereich Schule wirken.

Grundriss EG und 1.OG

Die Freiraumplanung reagiert differenziert auf die jeweiligen Nutzungsanforderungen: Für den Kindergarten wird das Thema einer bewegten Topographie gewählt, um die Entwicklung der motorischen Fähigkeiten, des räumlichen Vorstellungsvermögen sowie des kognitiv-haptischen Lernens der Kinder zu fördern.
Der Schulhof ist entsprechend der vielfältigen Nutzungsanforderungen in unterschiedliche Bereiche gegliedert, die entsprechend im Wegenetz verbunden und zoniert werden. Für die Sportflächen wird ein grüner Hain aus gut beschneidbarem Feldahorn vorgesehen, der eine städtische Raumkante bildet, Abzäunungen verträglich integriert und eine klimatische Ausgleichszone mit schattenspendenden Ruheflächen schafft.

Standort Pfeuferstraße 1, München
Architekt Hierl Architekten BDA DWB
Bauherr Landeshauptstadt München
Wettbewerb, 2000 1. Preis
Landschaftsplanung Atelier Cordula Loidl-Reisch, Wien
Geschossfläche 7.150 qm
Baukosten KG 300/400 11.900.000 €
Leistungsphasen 2 – 5 (HOAI)
Fertigstellung 2005
Mitarbeit Ulrich Schall, Kathrin Bollwein, Ortrun Busse, Michael Feil, Nicole Frank, Nicole Graf, Dominik Hartmann, Andrej Kratz, Maurice Maync, Stephanie Mojse, Tilman Ringe, Christian Schneider, Florian Schweiger, Carolin Semtner, Stefan Weiherer